Glossar · Begriff

Erheblicher Vorfall einfach erklärt

Ein erheblicher Vorfall (Significant Incident) ist ein Sicherheitsvorfall mit erheblicher Auswirkung auf Dienste, Betrieb oder Betroffene – und kann meldepflichtig sein.

Auf einen Blick
Bedeutung
Vorfall mit erheblicher Auswirkung
Folge
Löst die NIS2-Meldepflicht aus
Kriterien
Schwere, Dauer, betroffene Nutzer
Verwandt
Incident, Meldepflicht
Stand
Juni 2026
Redaktion
Compliance Compass

Was ist ein erheblicher Vorfall?

Ein erheblicher Vorfall (Significant Incident) ist ein Incident, der gravierende Auswirkungen hat – etwa längere Ausfälle, großen Datenabfluss oder viele betroffene Nutzer. Erst diese Schwere macht einen Vorfall überhaupt meldepflichtig. Der Begriff ist damit die Schwelle, die darüber entscheidet, ob die NIS2-Meldekette ausgelöst wird oder nicht: Ein gewöhnlicher Incident bleibt eine interne Angelegenheit, ein erheblicher Vorfall wird zur Behördenpflicht.

Wann ein Vorfall „erheblich" ist

Maßgeblich sind unter anderem die Dauer der Störung, die Zahl der betroffenen Personen oder Kunden, mögliche finanzielle Schäden, der Abfluss sensibler Daten und Auswirkungen auf andere Einrichtungen oder die Versorgung. Da NIS2 keine starre Punktzahl vorgibt, sondern es Ihrer Einrichtung überlässt, die Erheblichkeit anhand der Umstände zu beurteilen, sollten Sie diese Faktoren bereits vor dem ersten Ernstfall in eigene, dokumentierte Schwellenwerte übersetzen, weil sonst genau in der ohnehin knappen 24-Stunden-Frist wertvolle Minuten durch interne Diskussionen verloren gehen.

Entscheidungs-Checkliste: Ist der Vorfall erheblich?

Mindestens ein klares Ja genügt in der Regel, um die Meldekette auszulösen. Im Zweifel: melden.

Folge: Meldepflicht

Liegt ein erheblicher Vorfall vor, greift die dreistufige Meldepflicht mit Frühwarnung (24 Std.), Vorfallsmeldung (72 Std.) und Abschlussbericht (1 Monat). Abzugrenzen ist der eingetretene Vorfall von der erheblichen Cyberbedrohung, also einer Gefahr, die noch nicht zum Schaden geführt hat.

Zwei Fälle, eine Schwelle

Szenario: Ein Online-Händler bemerkt, dass über eine Schwachstelle Kundendaten von rund 40.000 Konten abgeflossen sind. Datenabfluss plus viele Betroffene – zwei klare Ja auf der Checkliste. Das Team stuft den Vorfall in Minuten als erheblich ein und startet die Meldekette. Eine kurze Lastspitze im Webshop am Vortag dagegen blieb unter jeder Schwelle, beeinträchtigte keinen Kunden und wurde lediglich intern protokolliert. Derselbe Maßstab, zwei gegensätzliche Ergebnisse.

Was müssen Sie konkret tun?

Sobald die Checkliste ein Ja zeigt, zählt jede Minute. Diese Schritte gehören in den Ablauf:

Wer hier zögert, riskiert Bußgelder von bis zu 10 Mio. EUR oder 2 % des weltweiten Jahresumsatzes (wesentliche Einrichtungen) beziehungsweise 7 Mio. EUR oder 1,4 % (wichtige Einrichtungen). Klare Kriterien sparen genau diese Diskussionszeit.

Weiterführende Quelle: NIS2-Richtlinie (EU) 2022/2555, Kriterien für erhebliche Vorfälle (Art. 23)

Häufige Fragen

Was ist ein erheblicher Vorfall?

Ein erheblicher Vorfall (Significant Incident) ist ein Sicherheitsvorfall mit gravierender Auswirkung auf die Verfügbarkeit, Vertraulichkeit oder Integrität von Diensten, etwa durch längere Ausfälle, großen Datenabfluss, finanzielle Schäden oder viele betroffene Nutzer. Erst diese Schwere macht einen Vorfall überhaupt meldepflichtig und unterscheidet ihn vom gewöhnlichen Incident. Der Begriff ist damit die Schwelle, die darüber entscheidet, ob die dreistufige NIS2-Meldekette ausgelöst wird.

Was passiert bei einem erheblichen Vorfall?

Bei einem erheblichen Vorfall greift die dreistufige NIS2-Meldepflicht über das BSI-Portal: Frühwarnung binnen 24 Stunden, Vorfallsmeldung binnen 72 Stunden und Abschlussbericht binnen eines Monats. Parallel dazu laufen die internen Maßnahmen zur Eindämmung und Wiederherstellung. Wer die Fristen versäumt, riskiert Bußgelder von bis zu 10 Mio. Euro oder 2 % des weltweiten Jahresumsatzes bei wesentlichen und bis zu 7 Mio. Euro oder 1,4 % bei wichtigen Einrichtungen.

Wer entscheidet, ob ein Vorfall erheblich ist?

Das betroffene Unternehmen entscheidet selbst, ob ein Vorfall erheblich ist, und beurteilt das anhand vorab definierter Kriterien wie Dauer der Störung, Reichweite, Zahl der betroffenen Nutzer und Schadenshöhe. NIS2 gibt keine starre Punktzahl vor, sondern überlässt die Bewertung der Einrichtung. Klare, dokumentierte Schwellenwerte machen die Einstufung schnell und gegenüber dem BSI nachvollziehbar – und sparen in der knappen 24-Stunden-Frist wertvolle Zeit.

Erheblichkeits-Check

Erheblich oder nicht? In Minuten geklärt

Compliance Compass führt Ihr Team mit hinterlegten Schwellenwerten durch die Ja/Nein-Bewertung und löst bei einem Treffer die 24-Stunden-Frühwarnung automatisch aus.